Branchenentwicklung International


Das Schiffsausrüstergewerbe als ein besonderer Wirtschaftszweig entwickelte sich erst in den letzten 200 Jahren mit dem Ausbau der internationalen Seeschiffahrt. Zur Zeit der Segelschiffe, die oft monatelang in den Häfen lagen, war naturgemäß ein Geschäftszweig, der sich auf die prompte Versorgung der Schiffe spezialisiert, noch nicht erforderlich. Erst mit der Verbreitung des maschinellen Schiffsantriebes, dem Aufkommen der Dampf-, Motor- und Turbinenschiffe und den immer kürzeren Lade- und Löschzeiten sowie mit zunehmender Schiffsgröße änderten sich diese Verhältnisse.

Mit der Intensivierung des Seeverkehrs im 19. Jahrhundert nahm auch die Notwendigkeit zu, die Ausrüstung der Schiffe im Hafen zu forcieren; es mußten eine oder wenige zuverlässige Firmen mit der Beschaffung aller erforderlichen Waren betraut werden. Das war die Geburtsstunde des Schiffsausrüsters. Heute ist ohne ihn der Betrieb der Seeschiffahrt undenkbar.

Die Ursprünge des Ausrüstergewerbes liegen in England, das dem Kontinent in der Entwicklung mehrere Jahrzehnte voraus war. Manche Schiffsausrüsterfirmen in Großbritannien bestehen seit ca. zweihundert Jahren; in Deutschland entstanden die ersten derartigen Betriebe nach 1830. Meistens waren es ehemalige Kapitäne, die sich auf diese Weise eine neue Existenz schufen, da sie aus ihrer Praxis am besten beurteilen konnten, was ein Schiff benötigte. Man muß sich dabei vergegenwärtigen, welche große Verantwortung dem Ausrüster damals wegen der langen Fahrtzeiten zufiel. Eine Segelschiffreise von Hamburg nach San Francisco z.B. dauerte durchschnittlich 180 Tage, d.h. es mußte bei der Ausreise eine Ausrüstung für 30-40 Personen für mindestens ein halbes Jahr an Bord genommen werden.